50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten (Teil 5)

Die 3D Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und die die meisten Entwickler haben gerade erst damit begonnen, sich mit der neu gewonnenen Dimension anzufreunden. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die meisten Spiele noch etwas grobschlächtig und aus heutiger Sicht geradezu primitiv daherkommen. Die Branche musste sich eben erst an die neuen Möglichkeiten, die diese Art von Spielen ermöglichte, gewöhnen. Die ersten Meilensteine sollten aber nicht lange auf sich warten lassen.

Einen ersten Vorgeschmack, wie moderne Spiele in den späten 90er Jahren auszusehen haben, sollten uns die englischen Entwickler von Core Design mit dem ersten Teil ihrer Tomb Raider Reihe geben. Bisherige Abenteuerspiele á la Indiana Jones oder der Mini-Serie Flashback von Delphine Software waren bei der Spielerschaft recht beliebt. Allerdings hatte sich bis dato noch niemand daran gewagt, dieses Genre komplett in die dritte Dimension zu befördern. Dieses Kunststück schaffte Core 1996 erstmals mit Hilfe einer sexy Archeologin namens Lara Croft und brachte somit frischen Wind in diese bisher doch sehr testosterongeschwängerte Spielegattung. Ähnlichkeiten zum peitschenschwingenden Doktor Jones waren dabei natürlich rein zufällig. Die dralle Protagonistin Lara Croft hatte in ihrem knappen Abenteuer-Outfit optisch eher Ähnlichkeiten mit einem Pin-Up Girl und mauserte sich in den folgenden Jahren zu einer wahren Popikone. Dabei sollte man aber auf keinen Fall das eigentliche Spiel aus den Augen verlieren. Tomb Raider wusste nämlich nicht nur durch eine attraktive Spielfigur zu überzeugen, sondern war auch spielerisch erstklassig. Das Spiel bot alles, was man sich von einem Adventure Game dieser Art erwartete. Exotische Schauplätze, dunkle Höhlen mit tiefen Abgründen und allerlei Fallen, denen der Spieler geschickt ausweichen musste. Gegen die zumeist tierischen Gegner wie Bären, Wölfe oder sogar Dinosaurier erwehrte sich Lara mit Hilfe ihrer beiden Schießeisen, die sie immer bei sich trug. Das Spiel erschien kurioserweise erstmals für Segas wenig erfolgreiche 32-Bit Konsole Saturn, wurde aber bereits wenig später auch für Sonys Playstation umgesetzt.

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Ein Jahr später sorgten die japanischen Entwickler von Square Soft auf eben dieser Konsole für Aufsehen. Squares traditionsreiche Rollenspiel-Serie Final Fantasy hatte bekanntermaßen bereits auf dem NES seinen Ursprung und erreichte spätestens mit dem hier vorgestellten siebten Teil seinen bisherigen Höhepunkt. Besonders diese Episode der rundenbasierten Rollenspielreihe genießt bis heute zu Recht Kultstatus bei den Fans. Dies lag zum einen daran, daß hier zum ersten Mal der Schritt in die dritte Dimension gewagt wurde (zumindest teilweise, aber dazu später mehr). Außerdem legte Square Soft die Messlatte, was die Präsentation und die hervorragende Lokalisation anging, für künftige Spiele dieser Art sehr hoch. Final Fantasy VII zeichnete sich aber vor allem durch eine spannende Story rund um eine Gruppe charismatischer Abenteurer aus, die mit viel Herzblut versuchte, dem machthungrigen Megakonzern Shinra Inc. Einhalt zu gebieten. Diese dubiose Vereinigung setzt im Laufe des Spiels alles daran, die Energiereserven des Heimatplaneten Gaia auszubeuten. Warum dies passiert, bleibt lange Zeit unklar. Technisch gesehen war Final Fantasy VII kein reinrassiges 3D Spiel. Die liebevoll gezeichneten Hintergründe waren weiterhin statisch und größtenteils zweidimensional. Nur die Spielfiguren wurden komplett in 3D modelliert. Diese geschickte Mischung der Dimension (ähnlich wie bei Resident Evil) besaß dafür umso mehr Charme und hat bis heute nichts an seinem Reiz verloren.

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Der japanische Gamedesigner Hideo Kojima hatte ebenfalls bereits zu guten, alten 8-Bit Zeiten eine Spieleserie namens Metal Gear ins Leben gerufen (damals auf dem in Japan sehr populären Heimcomputer MSX). Aus der Vogelperspektive konnte der Spieler den Spezialagenten Solid Snake in den Kampf gegen eine bedrohliche Söldner-Armee führen. Hierbei war es von Anfang an nicht sehr zielführend, sich wie ein Berserker durch die feindlichen Reihen zu ballern. Vielmehr war primär ein taktischeres Vorgehen gefragt. Die beiden 8-Bit Erstlinge (später auch für das NES) hatten noch stark mit technischen Limitierungen zu kämpfen. Dies sollte sich allerdings mit dem Erscheinen von Sonys Spieleplattform Playstation schlagartig ändern. Vor allem die CD als neues Medium eignete sich hervorragend für Games mit großem Umfang. Kojima war 1998 mit der Erste, der den gesteigerten Speicherumfang richtig zu nutzen verstand. Seine grandiose Fortsetzung der NES Serie auf der Playstation, mit dem Namen Metal Gear Solid, darf demnach zu Recht als Meilenstein bezeichnet werden. Der Sprung in die 3D Perspektive gelang hervorragend und das Spielprinzip konnte erst jetzt sein ganzes Potential ausschöpfen. Die Handlung knüpft direkt an die Vorgänger an. Der mürrische Protagonist Solid Snake wurde erneut von der US Regierung angeheuert, um einer terroristischen Vereinigung namens Foxhound Einhalt zu gebieten, die eine Nuklearwaffenfabrik in Alaska gekapert hatte und nun versuchte, die Vereinigten Staaten zu erpressen. Dank des Perspektivwechsels war es nun noch besser möglich, sich hinter Hindernissen zu verstecken oder an Wände zu lehnen und sich langsam an die gegnerischen Wachen heran zu schleichen. Die zahlreichen Zwischensequenzen, inklusive kinoreifer Synchronisation, sollten ab sofort zu einem Markenzeichen der Metal Gear Reihe werden. Auch einige der beinharten End- und Zwischengegner, mit so ausgefallenen Namen wie Revolver Ocelot oder Sniper Wolf, werden vielen Fans der Serie wohl für immer in Erinnerung bleiben.

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