50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten (Teil 7)

Segas letzter Versuch, als Hardware-Hersteller auf dem Videospiele-Markt Fuß zu fassen, scheiterte trotz qualitativ hochwertiger Software-Titel wie Jet Set Radio, Shenmue oder dem fantastischen 3D-Prügler Soul Calibur kläglich und bereits nach drei Jahren (nach dem Erscheinen der Dreamcast) musste Sega endgültig die Notbremse ziehen und die Entwicklung eigener Spielekonsolen bis auf weiteres einstellen. Die Konkurrenz von Nintendo und vor allem Sony konterte mit dem besseren Marketing und den zugkräftigeren Exklusivtiteln. Zudem preschte der Software-Gigant Microsoft mit einer neuen, äußerst leistungsfähigen Konsole namens Xbox auf den Markt und brachte somit frischen Wind in die bisher ausschließlich von japanischen Herstellern dominierte Branche.

Mittlerweile wurde es für die Spielehersteller immer aufwendiger, neue Ideen zu verwirklichen. Schließlich wurde im Laufe der vergangenen 20 Jahre so ziemlich jedes Genre bedient, und echte Innovationen abzuliefern wurde zusehens schwieriger (und vor allem teurer in der Produktion). Einer der Spieleentwickler, der dieses Kunststück trotzdem schaffte, war Rockstar Games mit seiner Open-World Spiele-Serie Grand Theft Auto (kurz GTA). Besonders der dritte Teil, der erstmals komplett in 3D-Grafik daher kam, zeigte nochmal deutlich, dass Spieler auch nach so langer Zeit noch auf neue Spielerlebnisse hoffen durften. In der dritten Episode schlüpfte der Spieler in die Rolle eines wortkargen Schmalspur-Gangsters namens Claude, der sich mit Hilfe seiner kriminellen Auftraggeber (durch die Bank Mafia-Größen verschiedenster Organisationen) einen Namen in der Unterwelt machen wollte. Der größte Reiz beim Spielen von GTA bestand bei vielen Fans aber nicht nur darin, die teils recht brutalen Aufträge zu erledigen, sondern sich einfach frei in der riesigen Spielewelt (eine an New York angelehnte fiktive Metropole namens Liberty City) zu bewegen. Dabei konnte der Spieler mit verschiedensten Fortbewegungsmitteln wie geklauten Autos, Motorrädern oder sogar Booten die Umgebung unsicher machen, andere Fahrzeuge rammen oder sogar Passanten über den Haufen fahren. Ein weiteres Novum der GTA-Serie ist zudem die musikalische Untermalung. Sobald sich der Spieler in ein Fahrzeug schwang, hatte er dank des Autoradios die Möglichkeit, verschiedenen fiktiven Radiosendungen und unterschiedlichen Musiktiteln zu lauschen. Da war es auch kein Wunder, dass sich die Soundtracks zu den GTA-Titeln rasch zu sehr beliebten Merchandise-Artikeln entwickelten (und das nicht nur bei Zockern).

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Aber was hatten die Next-Gen-Konsolen sonst noch zu bieten? Neben zahlreichen Fortsetzungen beliebter Spieleserien wie Sonys Prügel-Epos Tekken oder Hideo Kojimas Schleichabenteuer Metal Gear für die Playstation 2,  sorgte vor allem Nintendo mit routinierten Sequels zu seinen bekannten Spiele-Franchises wie Super Mario, Metroid oder Mario Kart (auf dem GameCube)  für Aufsehen bei den Spielern. Allerdings waren wirkliche Innovationen auch hier immer seltener gesäht. Immerhin sollte die Xbox mit ihrer PC-ähnlichen Hardware-Struktur dafür sorgen, dass sich auch Ego-Shooter immer größerer Beliebtheit bei den Konsolen-Spielern erfreuten und das obwohl sich das Steuerungskonzept via Joypad anfangs nicht immer als ideal erwies.

Der prominenteste Vertreter dieser Spielegattung auf Spielekonsolen ist zweifelsohne die Halo-Serie, die auf der Xbox ihren Ursprung hatte. Im ersten Halo Teil übernimmt der Spieler die Kontrolle über den genetisch modifizierten Supersoldaten Master Chief, der sich zu Beginn des Spiels an Bord eines Kampfraumschiffs names Pillar of Autumn befindet. Das Raumschiff ist auf der Flucht vor den feindlichen Mächten der sogenannten Allianz (einem Bündnis verschiedener außerirdischer Spezies, die den größten strategischen Stützpunkt außerhalb der Erde, Planet Reach, ausgelöscht haben). Nachdem der Master Chief  unsanft aus seinem Kältetiefschlaf erwacht, wird er prompt damit beauftragt, die künstliche Intelligenz des Schiffes sicherzustellen, um sie vor dem Zugriff der Aliens zu bewahren. Die Halo-Serie vereint klassische Ego-Shooter Elemente und eine wendungsreiche Story. Die große Beliebtheit der Spielereihe bei den Fans gibt den Machern von Bungie bis heute Recht.

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Viele Spieler schielten Anfang des neuen Jahrtausends neidisch auf den PC-Spiele-Markt. Denn dort standen online spielbare Titel wie Counter Strike, Unreal oder später World of Warcraft ganz oben in der Gunst der Zocker. Im Segment der Konsolen konnte hier nur Microsoft mit seiner ambitionierten Xbox Live-Plattform auf sich Aufmerksam machen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auf der Xbox immer mehr Games auch online (zusammen mit mehreren Mitspielern) gespielt werden durften. Die PS2 und der GameCube mussten sich hier trotz einiger, zaghafter Online-Versuche klar geschlagen geben. Natürlich erschienen für diese Konsolen-Generation noch eine ganze Reihe von erstklassigen Spielen. Erwähnen sollte man hier auf jeden Fall noch die exzellent spielbare und vor allem im Mehrspieler-Modus ungemein motivierende Fußball-Simulation Pro Evolution Soccer von Konami oder aber Capcoms Neudefinition ihrer Resident Evil-Reihe (Resident Evil 4). Aber wirklich bahnbrechende Innovationen sucht man hier ebenfalls vergebens.

Erst als die ersten sogenannten Casual Games, also simpel gestrickte Spiele, die sich vor allem durch ihre leichte Zugänglichkeit auszeichneten, auf den Markt kamen, bahnte sich wieder eine kleine Revolution in der Spielebranche an (ob man diese Entwicklung nun gut heißt oder eher verteufelt, sei mal dahingestellt). Den Startschuss gaben hier maßgeblich die Entwickler von Sony, als sie 2003 die ersten Minigame-Sammlungen für ihre eigens entwickelte Eye Toy-Kamera auf den Markt brachten. Mit dieser über bzw. auf dem Fernseher platzierten Mini-Kamera konnten plötzlich ganz neue und witzige Spielkonzepte verwirklicht werden. Die Kamera erkannte die Bewegungen der vor dem Bildschirm herumzappelten Zocker zwar nicht sehr genau, aber das tat dem Spielspaß keinen Abbruch. Ob Kopfball-Training oder wilde Kampfsporteinlagen gegen virtuelle Cartoon-Charaktere, hier konnte wirklich jeder auch noch so unerfahrene Gelegenheitsspieler sofort loslegen und umgehend die ersten Erfolgserlebnisse verbuchen. Und beim Stichwort Sony darf natürlich auch der Dauerbrenner SingStar nicht unerwähnt bleiben. Dieses unglaublich beliebte Karaoke-Spiel, bei dem der Spieler (oder im Duett zusammen mit einem Mitspieler) bekannte Pop-Songs in ein Mikrofon trällert und dabei versucht, möglichst den richtigen Ton zu treffen, stellte sich bereits nach kurzer Zeit als wahrer System-Seller für den japanischen Elektronikriesen heraus. Für Viele (vor allem weibliche) Musikliebhaber war und ist dieses Spiel bis heute der Einstieg in die Welt der Videospiele. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass mittlerweile wohl für so ziemlich jede Musikrichtung eine eigene SingStar-Episode erhältlich ist (kürzlich erschien sogar eine Turkish Party-Edition).

Den besten Beweis für den gigantischen Erfolg und die ungebrochene Beliebtheit von Casual Games lieferte aber Nintendo Ende 2006 mit der Veröffentlichung ihres Gamecube-Nachfolgers Wii. Dank des neu entwickelten bewegungssensitiven Steuerungskonzepts wurden die Bewegungen der Spieler nun fast eins zu eins auf den Bildschirm übertragen. Und dies geschah dank des über oder unter dem Bildschirm platzierten Bewegungssensors jetzt wesentlich exakter, als das noch vor einigen Jahren mit der Eye Toy-Kamera möglich gewesen war. Das im Lieferumfang enthaltene Sportspiel Wii Sports überzeugte vor allem durch seine unglaublich intuitive Spielbarkeit. Ob Tennis oder Bowling, bereits nach wenigen Spielminuten hatten hier auch ungeübte Spieler oder ältere Menschen sofort den Dreh raus. Das Nintendo hier den ganz großen Wurf gelandet hatte, merkte ich spätestens dann, als sich sogar meine Mutter eine eigene Wii-Konsole anschaffte und das obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt wirklich nie etwas mit Videospielen anfangen konnte. Die Folge waren und sind eine unglaubliche Flut an Gelegenheits- und Minispielchen, die (zumindest auf der Wii) mittlerweile sogar beliebte Spiele-Genres wie Beat ‘em Ups oder Action-Adventures immer weiter verdrängen. Glücklicherweise gibt es aber dank den technisch wesentlich leistungsfähigeren Konkurrenzprodukten von Microsoft (Xbox 360) und Sony (Playstation 3)  noch genügend Alternativen für Anhänger der traditionellen Spielkonzepte.

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Ich bin wirklich sehr gespannt, was uns die nächsten fünfzig Jahre Videospiel-Geschichte bringen werden und ich bin mir sicher, daß noch etliche Innovationen und Neuerungen auf uns zukommen werden. Wer wie ich bereits die Anfänge mit Pong und Pac-Man miterlebt hat, ist auf jeden Fall immer wieder erstaunt, welche enorme Entwicklung dieses nun nicht mehr ganz so junge Medium vor allem in den letzten Jahren durchlaufen hat. Oder um es mit den Worten der Neo Geo-Erfinder von SNK zu sagen: „The future is now“.

2 Antworten to “50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten (Teil 7)”

  1. hmm ich erinner mich noch düster an GTA I und II..das waren noch zeiten. obwohl ich eigentlich ganz happy bin, dass mittlerweile alle spiele den sprung in die 3. dimension geschafft haben. außer bei spielen wie baldurs gate..ich finde da ist 2d einfach pflicht.

  2. Ja die 2D Teile waren doch sehr spartanisch und trashig! Optimal finde ich den 2D/3D mix wie bei Street Fighter 4

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