Durchgespielt – Muramasa: The Demon Blade

Man könnte glatt meinen, dass handgezeichnete 2D Spiele mittlerweile genauso ausgestorben sind, wie Schwarzweissfilme oder Langspielplatten. Aber warum zum Teufel sollten sich Gamedesigner ausschliesslich auf dreidimensionale Spiele beschränken und somit einen grossen Teil ihrer künstlerischen Freiheit einbüssen. Besonders Fantasy- und Rollenspielen steht der handgepinselte Look ausgezeichnet und mit Muramasa – The Demon Blade verirrt sich endlich wieder ein herrlich altmodisches Pixel Abenteuer in die Regale der Game Shops.

Seltsam, aber so steht es geschrieben

Muramasa kann am besten als eine gelungene Mischung aus Hack´n Slay und Rollenspiel bezeichnet werden und bevor ich die im mittelalterlichen Japan angesiedelte Hintergrundstory kurz für euch zusammenfasse, will ich erstmal auf den Titel des Spiels eingehen. Muramasa ist nicht einfach ein zufällig zusammen gewürfelter Fantasie-Titel, vielmehr handelt es sich hierbei um den Namen eines legendären japanischen Schwertschmiedemeister, der tatsächlich im 16. Jahrhundert gelebt hat. Die Schwerter des ehrenwerten Senseis standen aufgrund ihrer extrem scharfen Klingen nicht nur bei Samurai Kriegern hoch im Kurs.

Zum Spielbeginn habt ihr die Wahl zwischen zwei verschiedenen Protagonisten: Entweder ihr entscheidet euch für die forsche Kriegerin Momohime, in deren zarten Körper sich zwei Seelen einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft liefern (heutige Psychologen würden wahrscheinlich einen schweren Fall von Schizophrenie diagnostizieren) oder eure Wahl fällt auf den stürmischen Kisuke, der sein Gedächtnis verloren hat und im Laufe der Zeit schmerzhaft zu spüren bekommt, dass sein früheres Ich wohl nicht allzu beliebt war. Im weiteren Spielverlauf geht es grob gesagt darum, die jeweiligen Hintergründe aufzuklären, warum sich die Charaktere in diesen misslichen Lagen befinden. Auf der Suche nach Informationen stösst man auf jede Menge obskure Gesprächspartner und Gegner, die geradewegs einem japanischen Märchen entsprungen zu sein scheinen. Fairerweise muss ich aber anmerken, dass die Spielabschnitte (bis auf die Reihenfolge) bei beiden Handlungssträngen identisch sind.

Ein Fest für Augen und Ohren

Muramasa als spielbaren Anime Film zu bezeichnen ist wirklich nicht übertrieben. Schon die ersten Levels zeigen eindrucksvoll, was die Wii grafisch zu leisten vermag. Wunderschön gezeichnete Weizenfelder, deren Ären sich im Wind wiegen oder umherschwirrende Glühwürmchen, die im Sonnenuntergang das Szenario erhellen – Wow, am liebsten möchte ich mir diese Bilder einrahmen und an die Wand hängen. Auch das klassische Scrolling in mehreren Ebenen, lässt mein Retro-Herz höher schlagen. Die Grafikabteilung des japanischen Entwicklers Vanillaware hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Von der Ästhetik und Stilsicherheit her, übertrifft Muramasa meiner Meinung nach sogar das thematisch ähnlich angesiedelte Cel Shading Meisterwerk Okami. Musikalisch wird das Spielgeschehen von orchestral inszentierten, japanischen Melodien untermahlt. Technisch also ein runder Auftritt, der auf der Wii seinesgleichen sucht.

Säbelrasseln gehört zum Handwerk

Spielerisch haben wir es bei Muramasa eigentlich mit einem waschechten Hack´n Slay, in bester Ninja Gaiden Manier, zu tun. Allerdings haben die Entwickler noch ein paar Rollenspiel-Elemente in das Spielgeschehen eingestreut. So findet ihr beim Betreten von Gebäuden regelmässig Truhen, in denen sich Goodies wie Heiltränke oder andere nützliche Gegenstände befinden, die ihr auf Knopfdruck in den zahlreichen Kämpfen einsetzen könnt, um eure Energieanzeige wieder etwas aufzufüllen. Eine grosse Rolle spielen auch die magischen Schwerter, die ihr euch im Tausch für die eingefangenen Seelen, eurer besiegten Gegner, vom Schwertschmiedemeister Muramasa anfertigen lassen könnt. Ab und an erhaltet ihr auch Rauchbomben oder Feuerzauber, die euch in den Kämpfen nützlich sein werden. Grösstenteils handelt es sich bei den Gegnern um Ninjas oder Samurais, die mit ordentlich „Buttengesmashe“ relativ flott die Segel streichen. Je nach Schwierigkeitsgrad ist aber auch bei den Standardgegnern eine Prise Taktik gefragt. Mir haben es aber vor allem die herrlich trashigen Boss-Gegner angetan. Ob einäugige Ungeheuer oder Riesenkraken, die euch mit ihren Tentakeln ans Leder wollen. Gerade wer auf Animes oder Mangas steht, wird hier seine wahre Freude haben und vor allem im späteren Spielverlaufen verlangen euch die Obermotze wirklich einiges ab. Um diese Brocken zur Strecke zu bringen, muss man sich wohl oder übel die Angriffsmuster einprägen und nach den Schwachstellen suchen.

Kunstwerk mit Schönheitsfehlern

Leider gibt es auch bei diesem Titel einige Schatten, die sich auf den ansonsten positiven Gesamteindruck legen. So kann man wirklich nicht behaupten, dass Muramasa das Genre neu erfindet. Wirkliche Innovationen darf man also nicht erwarten. Ausserdem kann es wirklich extrem nerven, wenn bereits besiegte Gegner immer wieder auftauchen, sobald man sich zum Levelanfang zurückbegeben muss. Diese Tatsache hat mich schon bei Klassikern wie Ghouls´n Ghosts oder Castlevania genervt. Ausserdem wollten die Entwickler die Spieldauer offensichtlich etwas strecken, indem sie den Spieler einige Abschnitte mehrfach bestreiten lassen. So schön die Grafik ist, nach dem vierten Mal wirds irgendwann eintönig.

Fazit: Der wunderschöne Grafikstil hat mich schier umgehauen, als ich Muramasa das erste Mal in das Laufwerk meiner Wii schob. Auch beim zweiten Mal durchspielen entdecke ich immer wieder neue Details wie Rosenblüten, die von den Bäumen fallen oder Nebelschwaden, die durch den nächtlichen Wald wabern. Solche Kleinigkeiten findet man bei modernen Spielen immer seltener, aber genau diese Liebe zum Detail ist der Grund dafür, warum sich „ernsthafte Spieler“ trotz vieler Vorurteile eine Wii zulegen sollten. Allerdings kann das eigentliche Spiel nicht ganz mit der genialen Präsentation mithalten. Trotz verschiedener Angriffsmöglichkeiten und Special Moves, arten die meisten Kämpfe doch in ein wildes Knöpfchengedrücke aus und die Abwechslung geht aus diesem Grund relativ schnell flöten. Auch die RPG Elemente wirken ein bisschen wie künstlich aufgesetzt, denn im Grunde genommen lebt das Spiel doch von seiner kompromisslosen Action. Aufgrund dieser Mängel kann ich Muramasa leider „nur“ eine gute Bewertung geben. Wii Besitzer greifen trotzdem zu.

2 Antworten to “Durchgespielt – Muramasa: The Demon Blade”

  1. Danke für das schöne Muramasa Review, dem ich eigentlich nichts hinzufügen kann. Als Retro Fan war ich genauso wie du von der tollen Grafik und der Atmosphäre begeistert. Vom absoluten Spielspaß kommt Muramasa aber nicht an Okami heran… aber da vergleicht man ja auch Äpfel mit Birnen ^_^

  2. Freut mich, dass dir mein Test gefällt. Hätten die Entwickler spielerisch noch eine Schippe drauf gelegt, hätte Muramasa ein absoluter Hit Titel werden können.

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