Archive for the Retrogames Category

WASD – Texte über Games

Posted in by Retrozocker, Retrogames, Thema on 11. Juli 2012 by Retrozocker

Nachdem die Print-Variante des GEE-Magazins nur noch in sehr unregelmäßigen Abständen erscheint, habe ich mich fast schon damit abgefunden, dass die prophetische Vorhersage von Dr. Egon Spengler („Gedrucktes ist tot“) nun tatsächlich Realität zu werden scheint.

Kultige Spielemagazine wie die Power Play, die Videogames oder der Amiga-/ PC Joker mussten längst die Segel streichen und „modernen“ Magazinen Platz machen, in denen es hauptsächlich darum geht, möglichst früh über den kommenden Blockbuster zu berichten oder aber die zigste Fortsetzung eines Fliessband-Shooters über den grünen Klee zu loben. Kritische Rezensionen oder nerdige Artikel über weniger populäre Genre-Vertreter sucht man hier oft vergebens. Ich persönlich verfolgte mittlerweile lieber Blogs im Internet, die von privaten Zockern betrieben werden. Da kommerzielle Interessen hier zumeist keine Rolle spielen, habe ich deshalb am ehesten den Eindruck, besser und vor allem unabhängiger informiert zu werden.

Aber kommen wir nun zur eigentlichen News-Meldung. Am 21. Juni erschien die erste Ausgabe des nagelneuen Magazins WASD (Ego-Shooter-Spielern dürften diese Tastenkombination bekannt vorkommen). Die Macher der Zeitschrift beschreiben ihr Magazin wie folgt:

„WASD ist ein Essaymagazin, das alle sechs Monate in einer kleinen Auflage erscheint. Das Magazin ist eigentlich ein Bookzine, also eine Mischung aus Buch und Magazin. Dieses Bookzine sieht schön aus und macht eine gute Figur im heimischen Bücherregal. Die WASD ist ein nischiges Premiumprodukt. Sie riecht hervorragend, liegt gut in der Hand, das Gewicht und die angenehme Kühle des Umschlags sorgen für ein wohliges Gefühl.“

Die Beschreibung „Premium“ trifft in diesem Fall auch absolut zu, denn den Preis des sogenannten Bookzines kann mit 14,50 Euro wahrlich nicht als günstig bezeichnet werden. Ich habe mir die Erstausgabe (Titel-Story: Tasty Trash – Schlechte Spiele und warum wir sie lieben) trotzdem bestellt und freue mich nun auf ein Lesevergnügen fernab von dem, was man momentan in den Regalen der Zeitschriftenläden finden kann. Mut zum Risiko sollte auf jeden Fall belohnt werden. Mehr Infos hierzu findet ihr auf wasd-magazin.de

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Super Potatoe Store

Posted in by Jelzinretro, Retrogames, Retrokonsolen, Thema on 29. April 2012 by Retrozocker

Anlässlich seines Japan-Trips kam unser Redakteur Jelzin natürlich nicht umhin, Tokyos Nr. 1 unter den Retro Videospiele Läden, dem über Japans Grenzen hinaus bekannten Super Potato Store, einen knapp dreistündigen Besuch abzustatten. 400,- EUR ärmer, aber um eine schöne Erfahrung reicher, hat er den Laden wieder verlassen. Lest nun seinen kurzen Erfahrungsbericht:

Wer in Japan auf der Suche nach hierzulande raren (Retro-) Software-Perlen ist, dem dürfte der Super Potato Store bereits ein Begriff sein. In vielen Berichten diverser Fachzeitschriften, die sich mit Videogame-Shopping in Japans Hauptstadt beschäftigen, fällt der Name dieses herrlich nerdigen Shops regelmässig. Höchste Zeit also, den Laden endlich einmal persönlich zu besuchen.

Der Super Potato Store befindet sich (wo auch sonst) in Akihabara, dem Elektronik Mekka Tokyos. Der Laden ist auch für Touristen nicht allzu schwer zu finden. Man steigt an der Haltestelle Akihabara aus und folgt der Beschilderung „Exit – Akihabara“, „Elektronic City“ in der Bahnhofshalle. Für den restlichen Weg sollte man sich vielleicht via Google Maps einen groben Umgebungsplan ausdrucken, da es für Gaijins nicht ganz einfach ist, sich in den Strassen Tokyos anhand der Strassenschilder zu orientieren (bekanntermassen gibt es in Tokyo ohnehin selten Strassenschilder, und wenn, sollte man mit japanischen Schriftzeichen vertraut sein). Nach etwa 5 Minuten Fussmarsch solltet ihr das Geschäft erreicht haben. Äusserlich ist der Super Potato Store aufgrund der knalligen Retro Deko leicht auszumachen.

Hat man diese erste Hürde erst einmal geschafft, steht euch der 7. Himmel der Videospiel Unterhaltung offen! Auf zwei Etagen könnt Ihr euch dann nach Herzenslust mit exotischem Gaming Schnick-Schnack eindecken, für das ihr bei Ebay ein wahres Vermögen ausgeben müsstet.

Die Auswahl ist schlichtweg atemberaubend. Spielkonsolen und Games sind für fast jedes, jemals erschiene System (in unterschiedlichen Zuständen) vorhanden. Vom losen Game Boy Modul, für gerade mal 50 Cent, bis zum Original verschweissten Sammlerstück für 1.000,- EUR, ist nahezu alles vorhanden, was das Zockerherz begehrt. Es ist wirklich sagenhaft. Es ist so ziemlich egal, wonach ihr gerade sucht. Für nahezu jedes System werdet Ihr eine so breite Auswahl vorfinden, als befände sich die Konsole gerade auf dem Höhepunkt Ihrer Lebensspanne.

Sehr schön ist auch, dass die Spiele offensichtlich vorher getestet und gesäubert werden, bevor sie im Ladenregal landen und verschweisst werden. Jedenfalls hatten wir bei unseren ca. 25 gekauften Titeln kein einziges defektes Spiel dabei, was man sich natürlich auch wünscht, nachdem man wieder in der Heimat angekommen ist. Man kann die Spiele ja schlecht wieder umtauschen.

Ein Wort noch zu den Preisen. Ihr braucht im Super Potato Store nicht erwarten, auf wirkliche Schnäppchen zu stossen (mal abgesehen davon, dass japanische Spiele in ihrem Heimatland natürlich günstiger zu bekommen sind, als bei uns), denn erstens weiss man dort äusserst genau, was die Spiele wert sind und zweitens bekommt man hier kaum minderwertige Ramschware angedreht. Wie gesagt verkauft der Laden wirklich gut erhaltene Spiele bzw. Konsolen, die auch noch liebevoll in Plastikfolie verpackt werden, bevor sie zum Verkauf angeboten werden.

Ein Tip noch zum Schluss. Die Spiele sind im Laden zwar nach Alphabet und Konsolen sortiert, allerdings gestaltet sich die Suche natürlich etwas schwierig, wenn Ihr der japanischen Sprache nicht mächtig seid. Wenn Ihr also die Möglichkeit habt, solltet Ihr im Vorfeld eurer Reise Screenshots von den Spielverpackungen oder Modulen ausdrucken. Wendet euch mit dieser Suchhilfe einfach an das hilfsbereite Personal (die meisten sprechen Englisch) und ihr spart euch eine Menge Zeit. Vor allem, wenn Ihr vorhabt, mehrere Titel zu kaufen (und wer hat das nicht vor, wenn er den Super Potato Store besucht?).
Wer also irgendwann die Möglichkeit hat, in Tokyo auf Shopping-Tour zu gehen und auch nur einen Funken Interesse für klassische Videospiele hegt, muss dem Super Potato Store unbedingt einen Besuch abstatten. Wer nach der Einkaufsorgie dann noch etwas Geld übrig hat, kann seine restlichen Kröten noch in der kleinen, aber feinen Arcade (mit jeder Menge klasssicher Spielautomaten) im obersten Stock ausgeben. Bei einem kühlen Bier oder einer Cola von der Hausbar könnt ihr euren Einkaufstag dann entspannt ausklingen lassen und eure ergatterten Schätze in Ruhe begutachten. Der Super Potato Store hat übrigens 7 Tage die Woche für euch geöffnet.

Mehr Infos findet ihr unter www.superpotato.com

Die seltensten Spiele der Welt – Teil 2

Posted in Gastbeitrag, Rare Games, Retrogames on 18. November 2011 by Retrozocker

Nachdem wir uns beim letzten Mal mit Nintendo World Championships 1990 für das NES beschäftigt haben, möchten wir dieses Mal die Plattform wechseln. Eine der bekanntesten Spielkonsolen der Welt, die selbst heute (immerhin 30 Jahre später) noch heiss und innig von Retro Fans geliebt wird, ist das Atari VCS 2600.

Von den mehr als 1200 Spielen, die für diese Plattform veröffentlicht wurden, gibt es allerdings einige Titel, die nur in einer besonders kleinen Auflage erschienen, oder gar als vermisster, heiliger Gral der Videospiel-Szene gelten und in irgendeiner vergessenen Kiste im Keller darauf warten, endlich wieder hervorgekramt zu werden. Als eine der seltensten Raritäten überhaupt, gilt New Atlantis, besser bekannt unter dem Namen Atlantis II.

Der heilige Gral

Was für Philatelisten die blaue Mauritius ist, oder für Cineasten der verschollene Film „London after Midnight“, könnte auf dem Terrain der klassischen Videospiele wohl Atlantis II sein. Gerade für die „Ur-Spielkonsole“ Atari VCS 2600 existieren einige besonders rare Spiele, die bei Online Auktionen teilweise horrende Preise erzielen. Exotische Titel wie Gamma Attack, Air Raid, Eli’s Ladder, Karate – Ultravision und eben auch das besagte Atlantis II (entwickelt von der Firma Imagic), gehören zu dieser seltenen Spezies. Letzteres verdankt seine Seltenheit dem Umstand, dass es sich hierbei abermals um eine besondere Turnier-Edition handelt.

Der Quasi-Vorgänger Atlantis, war ein einfacher, aber durchaus anspruchsvoller Weltraum-Shooter, bei dem es darum ging, umherfliegende Raumschiffe, von einer Bodenstation aus, vom Himmel zu holen. Dieses simple Spielprinzip erfreute sich bereits seit dem legendären Space Invaders grösster Beliebtheit und wurde in den Jahren nach dem Erscheinen des Automaten zigfach kopiert.

In den Grundzügen ähnelte Atlantis II stark seinem Vorgänger und wüsste man es nicht besser, könnte man die beiden Spiele leicht verwechseln, denn grafisch unterscheiden sich die Titel rein gar nicht voneinander. Allein der Schwierigkeitsgrad wurde um einige Stufen angehoben und das Scoring-System ist bei der Vergabe von Punkten nicht ganz so grosszügig, wie noch beim Vorgänger.

Die einzigen Kopien des Games wurden damals exklusiv an die Top-Spieler des sogenannten „Defend Atlantis“-Wettbewerbs verschickt. Auf den Bermuda Inseln (wie passend) trafen daraufhin die besten vier Spieler des Wettbewerbs aufeinander. Leider wurde niemals publik gemacht, wer den Wettkampf damals für sich entscheiden konnte und so bleibt die Identität des einzig wahren Atlantis Champions wohl für immer ein Geheimnis. Die wenig verbliebenen Versionen dieses Spiels, erzielen bei heutigen Auktionen locker einen Verkaufspreis von 2000 Dollar und mehr.

Wer diesen „heiligen Gral der Videospiele“ sein Eigen nennt, darf sich also wahrlich privilegiert fühlen und kann auch weiterhin auf eine rasante Wertsteigerung hoffen

Dieser Artikel wurde von unserer Gast Autorin Denise Coordes vom Spielkonsolen-Blog verfasst.

Die seltensten Spiele der Welt – Teil 1

Posted in by Retrozocker, Rare Games, Retrogames on 30. August 2011 by Retrozocker

Die aktuelle Episode des Angry Video Game Nerd hat mich dazu inspiriert, eine neue Serie ins Leben zu rufen. Wie es der Name „Die seltensten Spiele der Welt“ schon erahnen lässt, soll es hier jeweils um Games gehen, die aufgrund ihrer Seltenheit oder ihrer speziellen Eigenschaften so heiss begehrt sind, dass Sammler schon bei der blossen Erwähnung dieser Titel in ekstaseähnliche Zustände versetzt werden.
Den Anfang macht ein Modul mit dem Titel Nintendo World Championships 1990 für das NES, das sich im Grunde nur aus einzelnen Spielabschnitten, aus den Spiele-Klassikern Super Mario Bros., Rad Racer und Tetris zusammensetzt, die innerhalb eines zeitlichen Limits absolviert werden müssen. Die Beschreibung dieses Spiels liess mich anfangs eher an eine illegal gepresste Compilation denken, die man am sich am Strand von Mallorca für kleines Geld schiessen konnte. Aber weit gefehlt!

Bei diesem auf gerade mal auf 116 Exemplare limitierten Spielmodul, welches man übrigens niemals käuflich erwerben konnte, handelt es sich vielmehr um ein Wettbewerbs-Spiel, das Nintendo anlässlich einer Promotion Tour namens Power Fest in den USA herstellte. Auf diesen Events mussten jugendliche Spieler versuchen, in den einzelnen Abschnitten der oben erwähnten Spiele möglichst viele Punkte zu erzielen. Die Spieler, die nach insgesamt 6 Minuten Spielzeit den höchsten Highscore erreicht hatten, qualifizierten sich automatisch für die Endrunde, die dann 1990 in den Universal Filmstudios in Hollywood stattfand.

90 Kopien, dieses (Quasi-)Spiels, wurden an die besten Teilnehmer der Vorausscheidungen verschenkt. Die restlichen 26 Module wurden zusätzlich vergoldet (natürlich kein echtes Gold) und landeten schlussendlich bei den Teilnehmern der Endausscheidung. In die Läden schaffte es dieses kuriose Stück Software, wie bereits erwähnt, nie. Falls heutzutage überhaupt noch Exemplare dieses Cartridges zum Verkauf angeboten werden, darf man mit einem Kaufpreis zwischen 400 und einigen Tausend US-Dollar rechnen (die raren goldenen Module kosten natürlich mehr). Eine myebid Auktion, die vor einigen Jahren endete, erzielte gar den wahnwitzigen Verkaufspreis von 21.400 $ (!).

Ob ihr wirklich dazu bereit seid, soviel Geld für ein Spiel auszugeben, das sich eigentlich nur aus Schnipseln von anderen Spielen zusammensetzt, die man mittlerweile allesamt für nen Appel und ein Ei auf dem Flohmarkt finden kann, muss wohl jeder selbst entscheiden, aber aussergewöhnlich ist Nintendo World Championships 1990 auf jeden Fall und eines der seltensten Spiele obendrein.
Freut euch schon jetzt auf die nächsten Episode unserer neuen Serie – Die seltesten Spiele der Welt.

Durchgespielt – Muramasa: The Demon Blade

Posted in by Retrozocker, Retrogames, Test on 10. September 2010 by Retrozocker

Man könnte glatt meinen, dass handgezeichnete 2D Spiele mittlerweile genauso ausgestorben sind, wie Schwarzweissfilme oder Langspielplatten. Aber warum zum Teufel sollten sich Gamedesigner ausschliesslich auf dreidimensionale Spiele beschränken und somit einen grossen Teil ihrer künstlerischen Freiheit einbüssen. Besonders Fantasy- und Rollenspielen steht der handgepinselte Look ausgezeichnet und mit Muramasa – The Demon Blade verirrt sich endlich wieder ein herrlich altmodisches Pixel Abenteuer in die Regale der Game Shops.

Seltsam, aber so steht es geschrieben

Muramasa kann am besten als eine gelungene Mischung aus Hack´n Slay und Rollenspiel bezeichnet werden und bevor ich die im mittelalterlichen Japan angesiedelte Hintergrundstory kurz für euch zusammenfasse, will ich erstmal auf den Titel des Spiels eingehen. Muramasa ist nicht einfach ein zufällig zusammen gewürfelter Fantasie-Titel, vielmehr handelt es sich hierbei um den Namen eines legendären japanischen Schwertschmiedemeister, der tatsächlich im 16. Jahrhundert gelebt hat. Die Schwerter des ehrenwerten Senseis standen aufgrund ihrer extrem scharfen Klingen nicht nur bei Samurai Kriegern hoch im Kurs.

Zum Spielbeginn habt ihr die Wahl zwischen zwei verschiedenen Protagonisten: Entweder ihr entscheidet euch für die forsche Kriegerin Momohime, in deren zarten Körper sich zwei Seelen einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft liefern (heutige Psychologen würden wahrscheinlich einen schweren Fall von Schizophrenie diagnostizieren) oder eure Wahl fällt auf den stürmischen Kisuke, der sein Gedächtnis verloren hat und im Laufe der Zeit schmerzhaft zu spüren bekommt, dass sein früheres Ich wohl nicht allzu beliebt war. Im weiteren Spielverlauf geht es grob gesagt darum, die jeweiligen Hintergründe aufzuklären, warum sich die Charaktere in diesen misslichen Lagen befinden. Auf der Suche nach Informationen stösst man auf jede Menge obskure Gesprächspartner und Gegner, die geradewegs einem japanischen Märchen entsprungen zu sein scheinen. Fairerweise muss ich aber anmerken, dass die Spielabschnitte (bis auf die Reihenfolge) bei beiden Handlungssträngen identisch sind.

Ein Fest für Augen und Ohren

Muramasa als spielbaren Anime Film zu bezeichnen ist wirklich nicht übertrieben. Schon die ersten Levels zeigen eindrucksvoll, was die Wii grafisch zu leisten vermag. Wunderschön gezeichnete Weizenfelder, deren Ären sich im Wind wiegen oder umherschwirrende Glühwürmchen, die im Sonnenuntergang das Szenario erhellen – Wow, am liebsten möchte ich mir diese Bilder einrahmen und an die Wand hängen. Auch das klassische Scrolling in mehreren Ebenen, lässt mein Retro-Herz höher schlagen. Die Grafikabteilung des japanischen Entwicklers Vanillaware hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Von der Ästhetik und Stilsicherheit her, übertrifft Muramasa meiner Meinung nach sogar das thematisch ähnlich angesiedelte Cel Shading Meisterwerk Okami. Musikalisch wird das Spielgeschehen von orchestral inszentierten, japanischen Melodien untermahlt. Technisch also ein runder Auftritt, der auf der Wii seinesgleichen sucht.

Säbelrasseln gehört zum Handwerk

Spielerisch haben wir es bei Muramasa eigentlich mit einem waschechten Hack´n Slay, in bester Ninja Gaiden Manier, zu tun. Allerdings haben die Entwickler noch ein paar Rollenspiel-Elemente in das Spielgeschehen eingestreut. So findet ihr beim Betreten von Gebäuden regelmässig Truhen, in denen sich Goodies wie Heiltränke oder andere nützliche Gegenstände befinden, die ihr auf Knopfdruck in den zahlreichen Kämpfen einsetzen könnt, um eure Energieanzeige wieder etwas aufzufüllen. Eine grosse Rolle spielen auch die magischen Schwerter, die ihr euch im Tausch für die eingefangenen Seelen, eurer besiegten Gegner, vom Schwertschmiedemeister Muramasa anfertigen lassen könnt. Ab und an erhaltet ihr auch Rauchbomben oder Feuerzauber, die euch in den Kämpfen nützlich sein werden. Grösstenteils handelt es sich bei den Gegnern um Ninjas oder Samurais, die mit ordentlich „Buttengesmashe“ relativ flott die Segel streichen. Je nach Schwierigkeitsgrad ist aber auch bei den Standardgegnern eine Prise Taktik gefragt. Mir haben es aber vor allem die herrlich trashigen Boss-Gegner angetan. Ob einäugige Ungeheuer oder Riesenkraken, die euch mit ihren Tentakeln ans Leder wollen. Gerade wer auf Animes oder Mangas steht, wird hier seine wahre Freude haben und vor allem im späteren Spielverlaufen verlangen euch die Obermotze wirklich einiges ab. Um diese Brocken zur Strecke zu bringen, muss man sich wohl oder übel die Angriffsmuster einprägen und nach den Schwachstellen suchen.

Kunstwerk mit Schönheitsfehlern

Leider gibt es auch bei diesem Titel einige Schatten, die sich auf den ansonsten positiven Gesamteindruck legen. So kann man wirklich nicht behaupten, dass Muramasa das Genre neu erfindet. Wirkliche Innovationen darf man also nicht erwarten. Ausserdem kann es wirklich extrem nerven, wenn bereits besiegte Gegner immer wieder auftauchen, sobald man sich zum Levelanfang zurückbegeben muss. Diese Tatsache hat mich schon bei Klassikern wie Ghouls´n Ghosts oder Castlevania genervt. Ausserdem wollten die Entwickler die Spieldauer offensichtlich etwas strecken, indem sie den Spieler einige Abschnitte mehrfach bestreiten lassen. So schön die Grafik ist, nach dem vierten Mal wirds irgendwann eintönig.

Fazit: Der wunderschöne Grafikstil hat mich schier umgehauen, als ich Muramasa das erste Mal in das Laufwerk meiner Wii schob. Auch beim zweiten Mal durchspielen entdecke ich immer wieder neue Details wie Rosenblüten, die von den Bäumen fallen oder Nebelschwaden, die durch den nächtlichen Wald wabern. Solche Kleinigkeiten findet man bei modernen Spielen immer seltener, aber genau diese Liebe zum Detail ist der Grund dafür, warum sich „ernsthafte Spieler“ trotz vieler Vorurteile eine Wii zulegen sollten. Allerdings kann das eigentliche Spiel nicht ganz mit der genialen Präsentation mithalten. Trotz verschiedener Angriffsmöglichkeiten und Special Moves, arten die meisten Kämpfe doch in ein wildes Knöpfchengedrücke aus und die Abwechslung geht aus diesem Grund relativ schnell flöten. Auch die RPG Elemente wirken ein bisschen wie künstlich aufgesetzt, denn im Grunde genommen lebt das Spiel doch von seiner kompromisslosen Action. Aufgrund dieser Mängel kann ich Muramasa leider „nur“ eine gute Bewertung geben. Wii Besitzer greifen trotzdem zu.

Retro Games 2.0

Posted in by Retrozocker, Meinung, Retrogames on 7. November 2009 by Retrozocker

Die Retrobewegung weckt seit geraumer Zeit das Interesse der Medien und ist bei vielen, gerade auch sehr jungen Menschen, absolut angesagt. Beispiele hierfür muss man nicht lange suchen. Sieht man sich nur mal die aktuelle Mode an, entdeckt man vor kurzen noch verpöhnte Accessoires wie 80er Jahre Karottenjeans oder Ohrringe im Duschvorhang-Design. Allerdings erscheinen die meisten Retro-Artikel in leicht abgewandelten bzw. modernisierten Variationen. Genau diesen Trend kann man auch sehr gut an aktuellen Videospiel-Umsetzungen beobachten. Compilations von klassischen Games gibt es schon sehr lange, allerdings kommen in letzter Zeit auch immer wieder grafisch und soundtechnisch angepasste Versionen von beliebten Spielen auf den Markt. Es handelt sich hierbei quasi um die nächste Evolutionsstufe der Retrogames – oder wie man auch sagen könnte – Retro Games 2.0…

Lange Zeit versuchten die Spieleentwickler krampfhaft erfolgreiche Spieleserien wie Sonic oder King of Fighters in die dritte Dimension zu hieven, um so den ursprünglichen Erfolg kontinuierlich weiterzuführen. Leider mussten bei den meisten Zwangsmodernisierungen aber gehörige Abstriche in Sachen Spielspaß und Spielmechanik gemacht werden, da man diesen Games deutlich anmerkte, dass die ursprünglichen Spielkonzepte einfach nicht für die Möglichkeiten der aktuellen Konsolengeneration ausgelegt waren. Diese radikale Vorgehensweise der Publisher hatte zur Folge, daß sich viele dieser Games einfach nicht mehr verkauften und die Spielereihe schlussendlich eingestellt wurde.

Viele frustrierte Retro-Spieler entschlossen sich daraufhin, endgültig die Finger von misslungenen Neuauflagen zu lassen und dafür lieber auf Emulatoren oder besser noch die Originale auszuweichen. Sieht man sich allerdings die Classic-Remakes der letzten Monate mal etwas genauer an, kann man doch ein klares Umdenken bei den meisten Entwicklern beobachten. Glücklicherweise besinnen sich viele renommierte Publisher mittlerweile eines besseren und schalten technisch wieder einen Gang zurück und drehen dafür lieber kräftig an der Spielspaß-Schraube. Wieder ein Beweis dafür, daß gute Spiele eben nicht zwangsläufig mit pompöser 3D-Grafik in „Bling-Bling“-Optik aufwarten, sondern einfach „nur“ Spaß machen müssen. Um diese Theorie zu untermauern, will ich euch nun drei der meiner Meinung nach gelungensten Neuauflagen etwas näher vorstellen.

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Beginnen möchte ich mit dem bereits 2006 von Capcom veröffentlichten Remake eines äußerst populären Action Jump´n Runs mit dem Titel Ultimate Ghosts´n Goblins (für Sonys Playstation Portable). Diese für ihren harschen Schwierigkeitsgrad berühmt-berüchtigte Spielereihe hatte bereits Mitte der Achtzigerjahre ihren Ursprung in der Spielhalle und wurde in den folgenden Jahren für so ziemlich alle 8- bzw. 16-Bit Systeme umgesetzt. Die meisten Zocker dürften den mutigen Ritter Arthur, mit Vorliebe für Herzchen-Boxershorts, aber wohl von der hervorragenden Super NES Version her kennen. Ultimate Ghosts´n Goblins ist wirklich ein wunderbares Beispiel für die liebevolle Wiederbelebung eines klassischen Spielkonzepts. Die geschickte Mischung aus 2D Umgebung und 3D Charakteren wirkt sehr frisch und verleiht dem gewohnt morbiden Grafikstil einen einzigartigen Touch. Zudem wurden eher frustrierende Spielelemente, wie nicht vorhandene Rücksetzpunkte oder überpenible Sprungeinlagen, durch neue Features, wie die stufenweise Aufrüstung eurer Waffen und Schilde oder das Hochhangeln an Abgründen, geschickt entschärft. Dank des variablen Schwierigkeitsgrads kann sich der Spieler nun entscheiden, ob er lieber die klassische, beinharte Variante oder doch eher die modernisierte Version, mit mehreren Leben und Continuous bevorzugt. Besonders gut an der Neuauflage des grusligen Hüpfabenteuers gefällt mir übrigens der orchestrale Soundtrack, in dem bekannte Themen aus den Vorgängern aufgriffen und neu interpretiert wurden. So muss ein gut gemachtes Remake aussehen.

Weiter gehts mit einem nicht minder actionreichen Klassiker vom Traditionshersteller Konami. Die Rede ist vom 2007 (leider nur in den USA) erschienenen vierten Teil der Contra-Reihe (in Deutschland unter dem Namen Probotector bekannt) für den Nintendo DS. Wie ihr sicher wisst, musste der Ruf des nun wieder klassisch in 2D scrollenden Ballervergnügens in den letzten Jahren enorm leiden. Wie oben beschrieben, versuchten die japanischen Entwickler mit aller Macht ein klassisches Spielkonzept mithilfe der neu errungenen technischen Möglichkeiten in die dritte Dimension zu befördern. Der Erfolg hielt sich allerdings sehr in Grenzen. Die erschienenen Ableger für die Playstation bzw. Playstation 2 konnten spielspaßtechnisch einfach nicht mehr überzeugen und die leidgeprüften Contra Fans wollten sich schon damit abfinden, daß der dritte Teil auf dem Super NES wohl für alle Zeiten das Highlight der Spieleserie bleiben würde. 2007 hatten die japanischen Entwickler aber glücklicherweise ein Einsehen und verpassten dem Actionspektakel endlich eine furiose Fortsetzung, im originalgetreuen 16-Bit Look. Natürlich kamen einige zeitgemässe Grafik-Effekte hinzu, genau wie die sinnvolle Nutzung des zweiten Screens des Nintendo DS und fertig war ein neuer Meilenstein für traditionsbewusste Actionfans. Was allerdings blieb, war der heftige Schwierigkeitsgrad. Contra Spiele sind eben seit je her vor allem für Spiele-Profis interessant.

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Zu guter Letzt sei noch das von Taito entwickelte und von Square Enix gepublishte Remake zu Space Invaders mit dem Titel Space Invaders Extreme erwähnt (Nintendo DS). Zu diesem Klassiker muss ich wohl nichts mehr sagen. Der Urvater aller Weltraumshooter hat mittlerweile 30 Jahre auf dem Buckel und erschien bereits in unzähligen Varianten und Classic Compilations. Allerdings verordneten die Entwickler dem betagten Klassiker zum runden Jubiläum eine radikale Verjüngungskur, ohne dabei aber das eigentliche Spielprinzip aus den Augen zu verlieren. Die Präsentation wirkt sehr modern und abgespaced und der rythmische Elektro Soundtrack passt perfekt zum hektischen Spielgeschehen. Ausserdem wurden dezente Neuerungen wie neue Schussarten und fordernde Endgegner integriert. Insgesamt wirkt das Game dabei sehr stilvoll und bleibt seiner ursprünglichen Spielidee treu. Der einzige Wehrmutstropfen ist, daß der zusätzlich erhältliche Paddle-Controller (aufsteckbares Dreh-Rad) meines Wissens nach leider nie offiziell in Deutschland erschienen ist. Dieses Retro-Feature wäre wirklich noch das Sahnehäubchen für alle Fans von klassischen Spielkonzepten gewesen.

Natürlich reicht der Platz in diesem Artikel bei weitem nicht aus, um alle gelungenen Retro Updates aufzuzählen, aber ich hoffe ich konnte euch meine persönliche Evolutions-Theorie zumindest ein wenig näher bringen. Aktuelle Titel wie Capcoms Prügelhit Street Fighter 4 (für die PS3 und Xbox 360) oder SNKs siebter Teil des Jump´n Shoot Klassikers Metal Slug zeigen deutlich, daß Retro Games nicht zwingend altbacken daher kommen müssen. Retro ist und bleibt IN.

Durchgespielt – Half Life für die Dreamcast

Posted in by Jelzinretro, Retrogames, Retrokonsolen, Test on 17. September 2009 by Retrozocker

Wenn man sich bei Dreamcast-Anhängern nach den größten Enttäuschungen in der Dreamcast-Geschichte erkundigt, bekommt nicht selten die nie erschienene Umsetzung des PC Spiels “Half Life“ genannt (natürlich neben der viel zu kurzen Lebensdauer der Konsole). Der Grund für diesen skandalösen Umstand war aber nicht, daß es sich bei Half Life um ein qualitativ schlechtes Spiel gehandelt hätte. Bekanntermassen war genau das Gegenteil der Fall. Half Life bot dermaßen viele Innovationen und Spielspaß, daß dieser Titel auf dem PC auf Anhieb zur neuen Referenz im Ego Shooter Genre avoncierte.

Einer der Hauptgründe hierfür waren vielmehr „wechselnde Marktbedingungen“. Dies liessen zumindest die damaligen Entwickler von Valve Software verlauten. Gemeint war damit wohl die verhältnismäßig schwache Verbreitung von Segas 128 Bit Konsole. Nach Segas wenig später folgenden Ankündigung, sich zukünftig komplett aus dem Hardwaregeschäft zurückzuziehen, war es um eine adäquate Umsetzung der PC Ballerei (sowie die Umsetzung aller halbfertigen Titel, der anderen Hersteller) endgültig geschehen. Umso trauriger war die Tatsache, dass die Dreamcast Umsetzung von Half Life im Jahre 2001 eigentlich so gut wie fertig war und bereits als Preview- Version an diverse Fachzeitschriften verschickt wurde.

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Ihr könnt euch nun vielleicht vorstellen, daß mir beim Durchlesen der aktuellen M!Games (Ausgabe 09/09) buchstäblich der Draht aus der Mütze gesprungen ist, als ich in einem Interview eine beiläufige Aussage von Doug Lombardi (seines Zeichens PR-Vizepräsident von Valve Software) entdeckte, in der er alle Sega Fans dazu ermutigt, sich die mittlerweile im Internet veröffentlichte Half Life Version für die Dreamcast mehr oder weniger legal herunterzuladen. Jetzt also, nach sage und schreibe 8 Jahren Verspätung, dürfen wir endlich loslegen!

Zu den bereits angesprochenen Innovationen zählte zweifelsfrei, die wendungsreiche Story, welche bei Half Life seinerzeit (besonders was das Genre der First Person Shooter angeht) wirklich als genial bezeichnet werden kann. Das besondere daran ist, daß man sich von Anfang an voll in die Handlung hineingezogen fühlt. Dafür sorgen unter anderem die gescripteten Story-Sequenzen. Kleine Kostprobe gefällig? Anfangs begleitet ihr euren Protagonisten (Gordon Freeman) auf seinem täglichen Weg zu seinem Job in einem wissenschaftlichen Labor. Ihr werdet von euren geschwätzigen Kollegen im Hausgang begrüßt und der Sicherheitsmann berichtet euch aufgeregt vom Computercrash am Morgen. Zu diesem Zeitpunkt fühlt sich der Spieler, als wäre er mittendrin statt nur dabei. Der dichten Atmosphäre kann man sich wirklich nur schwer entziehen. Aber zurück zur eigentlichen Story. Nach einem fehlgeschlagenen Experiment ereignet sich plötzlich ein folgenschwerer Unfall, woraufhin sich im gesamten Forschungszentrum Tore zu einer Parallelwelt öffnen (CERN lässt grüssen). Aber damit nicht genug. Aus diesen geheimnisvollen Portalen dringt eine Horde todbringender Aliens ein und innerhalb kürzester Zeit sind die meisten Mitarbeiter mutiert oder tot. Jetzt heißt es für Gordon möglichst lebend aus dem Laborkomplex zu entkommen und schnellstens Hilfe zu holen.

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Neue Egoshooter Dimension

Dass dies nicht einfach wird, ist klar. Dies liegt aber nicht nur an den fiesen Aliens, die euch nach dem Leben trachten, sondern auch an vielen kleinen oder größeren Überraschungen, die die Entwickler in das Spiel gepackt haben. Es gilt Unmengen an Rätseln zu lösen oder haarige Sprungeinlagen zu meistern. Interessant ist auch, daß Ihr computergesteuerte NPCs zur Seite gestellt bekommt, die euch zum Beispiel dabei helfen, speziell gesicherte Bereiche zu betreten. Manchmal geben euch die Kollegen auch mal Feuerschutz, wenn es zu brenzlig wird. Bei der ganzen Ballerei kommt die Story aber glücklicherweise nie zu kurz. Wieso versucht euch das Militär auszuschalten, anstatt euch zu helfen oder wer ist der geheimnisvolle Mann mit dem Aktenkoffer, der während des Spiels immer wieder kurz auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet? Mich hat das Spiel komplett in seinen Bann gezogen. Ständig ertappt man sich dabei, wie man einfach nur weiter spielt, um zu sehen, wie die Story weiter geht.

Eine ebenfalls interessante Neuerung des Spiels ist der Spezial-Anzug, welcher Gordon einen gewissen Schutz bietet. Erst wenn Ihr allzu häufig von Gegnern attackiert werdet, oder aus großer Höhe abstürzt, leert sich die Energieanzeige eures Anzugs und ihr erleidet ernsthaften Schaden. Hin und wieder finden sich im Spiel aber glücklicherweise Energiezellen, mit denen Ihr euren Anzug wieder aufladen könnt.

Technisch auf Augenhöhe mit den Besten

Nicht nur vom Gameplay her macht die Dreamcast Version des Spiels einen hervorragenden Eindruck, natürlich bewegt sich auch die Grafik auf hohem Niveau. Dafür verantwortlich ist vor allem die stark modifiziert Quake II Engine, die sowohl bei der ursprünglichen PC Version, als auch auf der Dreamcast für Begeisterung sorgt, auch wenn die Grafikpracht mit damaligen Konkurrenten wie Unreal oder Turok II nicht ganz mithalten konnte. Aber darüber kann man locker hinweg sehen, denn das Spiel sieht ansonsten keinen Deut schlechter aus, als die 3 Jahre ältere PC Version. Besonders wenn ihr die Dreamcast über ein VGA-Kabel an einen PC Monitor angeschliesst. Wirklich klasse, dass der VGA-Modus hier im Gegensatz zu vielen offiziell erschienen Dreamcast Spielen, unterstützt wird.

Der Schwierigkeitsgrad läßt sich in drei Stufen einstellen. Aber egal welchen Schwierigkeitsgrad Ihr wählt, was immer gleich bleibt, ist die für damalige Zeit hervorragende KI der Gegner. Die meisten eurer Widersacher rennen nicht wie in vielen aktuellen Spielen blind auf euch zu, sondern greifen zumeist aus einem Hinterhalt an und ziehen sich danach oft wieder in ein Versteck zurück, um euch daraufhin erneut anzugreifen.

Ein interessantes Feature (vor allem für PC Spieler) ist übrigens die optionale Steuerungsvariante via Maus und Tastatur (wie übrigens bei fast allen Dreamcast Ego Shootern). Da fragt man sich wirklich, warum das eigentlich nicht auch bei aktuellen PS3 oder Xbox 360 Titeln möglich ist. Die Dreamcast war ihrer Zeit wirklich weit voraus.

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Kritikpunkte

Kommen wir noch kurz zu den Kritikpunkten. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, daß es sich bei HL für die Dreamcast nur um ein „fast“ fertiges Spiel handelt. Etwas mehr Entwicklungszeit hätte dem Spiel demnach sicherlich noch zur Perfektion verhelfen können. Als erstes wird einem mit Sicherheit das häufige Nachladen während des Spiels auffallen. Die Ladezeiten sind zwar relativ kurz, dafür sind sie aber umso häufiger und stören den Spielfluss doch gewaltig  (liegt natürlich auch am relativen kleinen Arbeitsspeicher der Dreamcast). Leider gibt es von Zeit zu Zeit auch Einbrüche in der Framerate, was sich bei viel Action auf dem Screen, in unschönen Rucklern bemerkbar macht. Wie bereits erwähnt habe ich mich zwar zunächst sehr über die Maus- und Tastaturunterstützung gefreut, aber leider lässt sich die Maussteuerung nicht umkehren. Ich fand dieses fehlende Feature persönlich sehr bedauerlich.

Umsetzungen, Nachfolger, Spin-Offs

Aufgrund der unglaublichen Popularität von Half Life folgten diverse Spin-offs für den PC (Opposing Force – 1999, Team Fortress Classic – 1999, Counter Strike – 1999, Blue Shift – 2001 und Counter Strike: Condition Zero – 2004). Besonders interessant dürfte hier wohl Counter Strike sein. Ich werde auf diesen Klassiker an dieser Stelle zwar nicht näher eingehen, aber ich empfehle euch in diesem Zusammenhang einen Artikel bei Spiegel-Online. Wirklich sehr lesenswert!

Ebenfalls interessant ist das Spin-off Half Life – Blue Shift, welches nun ebenfalls auf der Dreamcast gespielt werden darf. In der Rolle des Sicherheitsmannes Cahun versucht ihr aus dem Black Mesa Komplex zu fliehen. Da ich das Game leider (noch) nicht ausreichen anspielen konnte, kann ich hierzu nur aus anderen Quellen zitieren, die dieses Erweiterungsset als nicht besonders gelungen bezeichnen. Blue Shift ist eine solide Erweiterung, aber leider ohne große nennenswerte Verbesserungen. Hier und da gibt es ein paar neue Gegner, oder neue Waffen, aber ansonsten viel Bewährtes. Die Spieldauer ist mit 2-3 Stunden zudem viel zu kurz geraten. Diese Erweiterung ist übrigens auch der einzig nennenswerte Unterschied zur PS2 Umsetzung von HL. Während nämlich Dreamcast-Besitzer exklusiv mit der Blue Shift Erweiterung bedacht wurden, bekamen PS2-Besitzer eine Erweiterung namens Half Life – Decay spendiert. Im Jahr 2004 kam dann schlussendlich der offizielle Nachfolger Half Life 2 (PC) auf den Markt. Um dieses Prequel wurde wegen dem mittlerweile recht hohen Bekanntheitsgrad der HL Reihe ein wesentlich größerer Medien Hype entfacht. Nicht zu unrecht wie sich herausstellen sollte. Denn zusätzlich zu den bekannten Stärken des Vorgängers, kam diesmal eine bisher nie da gewesene Physikengine zum Einsatz, welche zusätzlich völlig neue Möglichkeiten ins Spiel brachte.

Fazit: Der Einfluß von Half Life, speziell auf das Genre der Ego Shooter, ist wohl unumstritten. Fast alle heutigen Genrevertreter greifen auf irgendeine Arte auf die Innovationen zurück, die Half Life seinerzeit einführte. Nennt mich also einen Fanboy oder Nerd, meine Meinung steht fest. Half Life und die Fortsetzung Half Life 2 waren und sind vielleicht die besten Vertreter Ihres Genres. Es kam bisher wirklich nicht oft vor, daß ich einen Shooter dermaßen oft durchgespielt habe und die Frage, ob es sich nun lohnt, im Internet nach der verschollenen Dreamcast Version von HL zu suchen, erübrigt sich wohl von selbst. Wie das genau funktioniert und wo ihr das Spiel findet, will ich hier aber aus Copyright Gründen nicht verraten. Für versierte Zocker dürfte dieses Manko aber eher eine kleine Hürde darstellen. (YT)