Archive for the Test Category

Lone Survivor

Posted in by Jelzinretro, Meinung, Test on 16. Juni 2012 by Retrozocker

Aktuelle Konsolen und PCs werden ja immer wieder von regelrechten 3D-Survival-Horror-Wellen überrollt. Kein System, das sich auf dem Markt behaupten will, kommt heutzutage ohne Spiele wie Resident Evil oder Dead Space aus. Umso mehr waren wir daher gespannt, als wir kürzlich auf das Indie-Spiel Lone Survivor aufmerksam wurden. Lone Survivor gehört zur seltenen Spezies der 2D-Horror-Adventures. Also einem Genre, das bereits zu seeligen 2D-Zeiten (und gerade heutzutage) äusserst rar war. Viel Spaß nun bei unserem kleinen Game-Check:

Tag 1

Ihr erwacht nach einer schlaflosen Nacht in einem dunklen Zimmer. Einer der wenigen Orte eines großen Hauses, in dem ihr euch einigermaßen sicher fühlen dürft. Die Erinnerungen, die Ihr noch habt, sind wenig nützlich. Ihr wisst nur eins mit Sicherheit: Die Atemschutzmaske, die ihr tragt, ist die einzige Lebensversicherung gegen die Seuche, dir ihr wohl als einer der wenigen überlebt habt. Wie es dazu kam und was zu dieser Katastrophe führte, müsst Ihr im Laufe des Spiels selbst herausfinden.

Das ist allerdings einfacher gesagt, als getan, denn der ständig nagende Hunger, der Schlafmangel und nicht zuletzt verwirrende Tagträume machen es zunehmend schwieriger, Realität und Fiktion auseinanderzuhalten. Aber Aufgeben kommt nicht in Frage! Anfänglich nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet macht Ihr euch auf, um herauszufinden, was zu dem Schlamassel geführt hat, in dem ihr euch augenblicklich befindet.

Ihr erkundet Raum für Raum des mysteriösen Hauses und findet dabei nützliche Hinweise und Gegenstände. Nicht selten trefft ihr dabei auf entstellte Kreaturen, die euch nach dem Leben trachten. Um zu Überleben ist es meistens sinnvoller Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. So könnt ihr euch vor vielen Gegnern verstecken oder Ihr lenkt die Ungeheuer aber mit geschickt platzierten Fleischbrocken ab, auf die sich die Höllenbrut gierig stürzt. Später kommt ihr aber nicht umhin, die zahlreich erscheinende Zombiebrut ordentlich mit Blei vollzupumpen.

Schon bald werdet Ihr feststellen, dass das Gebäude, welches Ihr erkundet, einem wahren Irrgarten gleicht. Ständig entdeckt Ihr neue Durchgänge und Wege oder müsst euch via Teleporter-Spiegeln an entfernte Räumlichkeiten begeben. Zunehmend wird es somit schwieriger, nicht die Orientierung zu verlieren.

Zu dieser Orientierungslosigkeit trägt nicht zuletzt die simpel gestaltete Umgebungsgrafik bei, die es euch zusätzlich erschwert, die Räumlichkeiten anhand von optischen Merkmalen zu unterscheiden. Ein Auto-Mapping, wie es in aktuellen Spielen üblich ist, werdet ihr vergeblich suchen. Nicht selten landet man bei seinen Erkundungen so in Räumen, in denen man zuvor bestimmt schon x-mal unterwegs war. Andererseits ist es aber oft notwendig, bestimmte Räume mehrfach zu besuchen, um an Gegenstände oder Hinweise zu gelangen.

Pixelhölle

Vor allem der für dieses Genre ungewöhnliche Grafikstil ist es, der Lone Survior so besonders macht. Durch die pixelige Optik (egal in welcher Auflösung Ihr spielt) wirkt das Spiel oftmals so, als würdet ihr eher auf einem C64 spielen, als auf einem aktuellen PC. Und so blöd es auch klingt, genau das macht dieses Spiel so spannend. Mit gut gemachten Horror-Games, ist es wie bei spannenden Filmen. Oft erschreckt ihr euch eher vor dem, was ihr nicht sieht, als vor derben Splatter-Szenen. Der eigentliche Horror spielt sich in eurem Kopf ab und so wirken die pixeligen Kreaturen mindestens genauso schockierend, wie die schlurfenden Zombies in Resident Evil. Lasst euch von der Retro-Grafik also nicht täuschen. Das Spiel ist definitiv nichts für Kinder oder Leute mit schwachen Nerven. Die unheimliche Sounduntermalung trägt einen grossen Teil zur gelungenen Atmosphäre bei. Sie bleibt dabei angenehm unaufdringlich und beschränkt sich grösstenteils auf verstörende Hintergrundgeräusche.

Technik-Check

Man fragt sich allerdings schon, wie ein minimalistisches Spiel wie Lone Survivor, nach einen PC mit mind. 2 GB RAM, sowie einem flotten Singlecore-Prozessor als Minimalvoraussetzung verlangt. Ich habe das Spiel für diesen Bericht auf meinem Netbook mit 2 GB RAM und Intel Atom Prozessor (1,8 GHz) installiert und es spielte sich äußerst zäh. Meiner Einschätzung nach wäre ein Spiel dieser Machart von einem erfahrenem Programmierteam seinerzeit auch auf einem Amiga realisierbar gewesen. Das Handling ist zudem etwas gewöhnungsbedürftig, da ausschließlich mit der Tastatur navigiert wird. Gamepadverwöhnte Spieler müssen sich hier also umstellen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit geht die Steuerung aber gut von der Hand.

So what?

Kommen wir also zum Gesamturteil – Lone Survivor ist ein spannendes Spiel, das trotz oder gerade wegen seines Minimalismus äusserst spannend daher kommt. Mich hat es auf jeden Fall für einige Stunden an den PC gefesselt. Wie bereits erwähnt, hat mich die erschwerte Orientierung ein wenig genervt. Die fragwürdige Entscheidung der Entwickler, nur einen Save-Stand anlegen zu können (und das auch nur in einem bestimmten Raum) ist zudem ärgerlich. Aber egal – Für gerade mal 10 Euro bekommt ihr ein Survival-Horror-Spiel der aussergewöhnlichen Art geboten, das nicht nur für Retro-Gamer interessant ist. Ich persönlich hätte mir das Spiel allerdings noch mit einer schönen Verpackung und einer Anleitung gewünscht. Aber das ist sicher Geschmackssache. Bisher gibt es Lone Survivor nämlich nur als kostenpflichtigen Download bei www.lonesurvivor.co.uk

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Durchgespielt – Muramasa: The Demon Blade

Posted in by Retrozocker, Retrogames, Test on 10. September 2010 by Retrozocker

Man könnte glatt meinen, dass handgezeichnete 2D Spiele mittlerweile genauso ausgestorben sind, wie Schwarzweissfilme oder Langspielplatten. Aber warum zum Teufel sollten sich Gamedesigner ausschliesslich auf dreidimensionale Spiele beschränken und somit einen grossen Teil ihrer künstlerischen Freiheit einbüssen. Besonders Fantasy- und Rollenspielen steht der handgepinselte Look ausgezeichnet und mit Muramasa – The Demon Blade verirrt sich endlich wieder ein herrlich altmodisches Pixel Abenteuer in die Regale der Game Shops.

Seltsam, aber so steht es geschrieben

Muramasa kann am besten als eine gelungene Mischung aus Hack´n Slay und Rollenspiel bezeichnet werden und bevor ich die im mittelalterlichen Japan angesiedelte Hintergrundstory kurz für euch zusammenfasse, will ich erstmal auf den Titel des Spiels eingehen. Muramasa ist nicht einfach ein zufällig zusammen gewürfelter Fantasie-Titel, vielmehr handelt es sich hierbei um den Namen eines legendären japanischen Schwertschmiedemeister, der tatsächlich im 16. Jahrhundert gelebt hat. Die Schwerter des ehrenwerten Senseis standen aufgrund ihrer extrem scharfen Klingen nicht nur bei Samurai Kriegern hoch im Kurs.

Zum Spielbeginn habt ihr die Wahl zwischen zwei verschiedenen Protagonisten: Entweder ihr entscheidet euch für die forsche Kriegerin Momohime, in deren zarten Körper sich zwei Seelen einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft liefern (heutige Psychologen würden wahrscheinlich einen schweren Fall von Schizophrenie diagnostizieren) oder eure Wahl fällt auf den stürmischen Kisuke, der sein Gedächtnis verloren hat und im Laufe der Zeit schmerzhaft zu spüren bekommt, dass sein früheres Ich wohl nicht allzu beliebt war. Im weiteren Spielverlauf geht es grob gesagt darum, die jeweiligen Hintergründe aufzuklären, warum sich die Charaktere in diesen misslichen Lagen befinden. Auf der Suche nach Informationen stösst man auf jede Menge obskure Gesprächspartner und Gegner, die geradewegs einem japanischen Märchen entsprungen zu sein scheinen. Fairerweise muss ich aber anmerken, dass die Spielabschnitte (bis auf die Reihenfolge) bei beiden Handlungssträngen identisch sind.

Ein Fest für Augen und Ohren

Muramasa als spielbaren Anime Film zu bezeichnen ist wirklich nicht übertrieben. Schon die ersten Levels zeigen eindrucksvoll, was die Wii grafisch zu leisten vermag. Wunderschön gezeichnete Weizenfelder, deren Ären sich im Wind wiegen oder umherschwirrende Glühwürmchen, die im Sonnenuntergang das Szenario erhellen – Wow, am liebsten möchte ich mir diese Bilder einrahmen und an die Wand hängen. Auch das klassische Scrolling in mehreren Ebenen, lässt mein Retro-Herz höher schlagen. Die Grafikabteilung des japanischen Entwicklers Vanillaware hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Von der Ästhetik und Stilsicherheit her, übertrifft Muramasa meiner Meinung nach sogar das thematisch ähnlich angesiedelte Cel Shading Meisterwerk Okami. Musikalisch wird das Spielgeschehen von orchestral inszentierten, japanischen Melodien untermahlt. Technisch also ein runder Auftritt, der auf der Wii seinesgleichen sucht.

Säbelrasseln gehört zum Handwerk

Spielerisch haben wir es bei Muramasa eigentlich mit einem waschechten Hack´n Slay, in bester Ninja Gaiden Manier, zu tun. Allerdings haben die Entwickler noch ein paar Rollenspiel-Elemente in das Spielgeschehen eingestreut. So findet ihr beim Betreten von Gebäuden regelmässig Truhen, in denen sich Goodies wie Heiltränke oder andere nützliche Gegenstände befinden, die ihr auf Knopfdruck in den zahlreichen Kämpfen einsetzen könnt, um eure Energieanzeige wieder etwas aufzufüllen. Eine grosse Rolle spielen auch die magischen Schwerter, die ihr euch im Tausch für die eingefangenen Seelen, eurer besiegten Gegner, vom Schwertschmiedemeister Muramasa anfertigen lassen könnt. Ab und an erhaltet ihr auch Rauchbomben oder Feuerzauber, die euch in den Kämpfen nützlich sein werden. Grösstenteils handelt es sich bei den Gegnern um Ninjas oder Samurais, die mit ordentlich „Buttengesmashe“ relativ flott die Segel streichen. Je nach Schwierigkeitsgrad ist aber auch bei den Standardgegnern eine Prise Taktik gefragt. Mir haben es aber vor allem die herrlich trashigen Boss-Gegner angetan. Ob einäugige Ungeheuer oder Riesenkraken, die euch mit ihren Tentakeln ans Leder wollen. Gerade wer auf Animes oder Mangas steht, wird hier seine wahre Freude haben und vor allem im späteren Spielverlaufen verlangen euch die Obermotze wirklich einiges ab. Um diese Brocken zur Strecke zu bringen, muss man sich wohl oder übel die Angriffsmuster einprägen und nach den Schwachstellen suchen.

Kunstwerk mit Schönheitsfehlern

Leider gibt es auch bei diesem Titel einige Schatten, die sich auf den ansonsten positiven Gesamteindruck legen. So kann man wirklich nicht behaupten, dass Muramasa das Genre neu erfindet. Wirkliche Innovationen darf man also nicht erwarten. Ausserdem kann es wirklich extrem nerven, wenn bereits besiegte Gegner immer wieder auftauchen, sobald man sich zum Levelanfang zurückbegeben muss. Diese Tatsache hat mich schon bei Klassikern wie Ghouls´n Ghosts oder Castlevania genervt. Ausserdem wollten die Entwickler die Spieldauer offensichtlich etwas strecken, indem sie den Spieler einige Abschnitte mehrfach bestreiten lassen. So schön die Grafik ist, nach dem vierten Mal wirds irgendwann eintönig.

Fazit: Der wunderschöne Grafikstil hat mich schier umgehauen, als ich Muramasa das erste Mal in das Laufwerk meiner Wii schob. Auch beim zweiten Mal durchspielen entdecke ich immer wieder neue Details wie Rosenblüten, die von den Bäumen fallen oder Nebelschwaden, die durch den nächtlichen Wald wabern. Solche Kleinigkeiten findet man bei modernen Spielen immer seltener, aber genau diese Liebe zum Detail ist der Grund dafür, warum sich „ernsthafte Spieler“ trotz vieler Vorurteile eine Wii zulegen sollten. Allerdings kann das eigentliche Spiel nicht ganz mit der genialen Präsentation mithalten. Trotz verschiedener Angriffsmöglichkeiten und Special Moves, arten die meisten Kämpfe doch in ein wildes Knöpfchengedrücke aus und die Abwechslung geht aus diesem Grund relativ schnell flöten. Auch die RPG Elemente wirken ein bisschen wie künstlich aufgesetzt, denn im Grunde genommen lebt das Spiel doch von seiner kompromisslosen Action. Aufgrund dieser Mängel kann ich Muramasa leider „nur“ eine gute Bewertung geben. Wii Besitzer greifen trotzdem zu.

Durchgespielt – Monkey Island 2 Special Edition

Posted in by Jelzinretro, Retro-Remakes, Test on 20. Juli 2010 by Retrozocker

Fans klassischer Adventures werden sich wehmütig an die 80er und 90er Jahre zurückerinnern. Dies war bekanntermassen die Glanzzeit der Point n’ Click Adventure Ära (vor allem aus dem Hause LucasArts). Klassiker wie Maniac Mansion, Zak McKracken, Indiana Jones, und vor allem Monkey Island kannte jeder, der auch nur einen Funken Interesse für Computerspiele hegte. Leider versiegte der Nachschub an Spielen dieses Genres Mitte der 90er zunehmend. LucasArts stellte die Produktion von Adventures ein und beschränkte sich in den folgenden Jahren fast komplett darauf, Games rund um das Star Wars Universum auf den Markt zu bringen.

Wer diese Tatsache wie wir traurig zur Kenntnis nehmen musste, darf nun erneut die Sektkorken knallen lassen. Wie wir bereits berichteten, hat sich LucasArts hat vor einiger Zeit entschlossen, die legendäre Monkey Island Reihe in aufgehübschter Form neu aufzulegen. Nach dem Erfolg des ersten Teils (The Secret of Monkey Island), ist nun endlich auch die Special Edition von Monkey Island 2 – LeChuck´s Revenge, als Download-Titel erhältlich und ich darf wohl ohne Übertreibung behaupten, dass es sich bei dieser Episode ohne Zweifel um eines der besten Adventures aller Zeiten handelt.

Da es vom Gameplay her im Grunde nichts zu verbessern gab, wurde bei diesem Remake vor allem Wert auf eine zeitgemässe HD-Optik gelegt und auch der Sound wurde dank witziger Sprachausgabe und einer filmreifen Musikuntermahlung gehörig aufpoliert. Nostalgiker dürfen jederzeit per Knopfdruck zwischen der Original Grafik und der HD-Optik hin und her wechseln. Außerdem könnt Ihr zu einzelnen Szenen eine separate Tonspur, mit dem Audiokommentar der Kult Entwickler Ron Gilbert, Tim Schäfer und Co hinzuschalten. Auch ein nettes Trophäen-System wurde mit eingebaut.

Wir haben uns das Remake für knappe 10,- EUR natürlich bereits heruntergeladen und „mal kurz“ durchgespielt. Hier ist unser Fazit: Monkey Island 2 macht Spaß wie eh und je. Wie schon oft festgestellt, kann die Kombination aus alten Klassikern und neuer Technik durchaus eine feine Kombination ergeben. Die HD-Optik macht einiges her und wirkt wie eine Frischzellenkur, für die etwas angestaubte Bitmap Grafik des Originals. Technisch wurde also gute Arbeit geleistet. Die Rätsel sind gewohnt abgedreht und der typische Monkey Island Humor zündet auch nach all den Jahren noch, wie am ersten Tag. Auf Xbox 360 und PS3 gibts bis auf die etwas fummelig geratene Pad-Steuerung nichts zu meckern, auch wenn die Steuerungsmechanik im Vergleich zur Special Edition des ersten Teils deutlich verbessert wurde. Am besten navigiert sich aber die PC-Version (via Maus), die nun sogar auf Netbooks, bis auf wenige Ruckler, ganz ordentlich läuft.

Wir können nur hoffen, dass bald auch weitere Lucas Arts Klassiker den Weg auf Next Gen Konsolen bzw. aktuelle PCs finden werden. Loom next please!

Durchgespielt – Mega Man 10

Posted in by Jelzinretro, Retro-Remakes, Test on 16. April 2010 by Retrozocker

Wir schreiben das Jahr 2010. Fast alle klassischen Charaktere der Videospielgeschichte, egal ob Mario, Sonic, Pac Man oder Guybrush Threepwood, haben mittlerweile den Sprung in die 3D Welt geschafft. Alle mit mehr oder weniger Erfolg. Dieser folgenschwere Schritt blieb leider auch Capcoms blauem Vorzeige Hüpfer Mega Man nicht erspart. Allerdings dürften die eher unbekannten Spin Offs Mega Man Legends 2 (Playstation) oder Mega Man X: Command Mission Game (Nintendo Game Cube) nur absoluten Hardcore Fans der Serie ein Begriff sein. Zum Glück entschieden sich die japanischen Entwickler unlängst dazu, den offiziellen zehnten Teil der Mega Man Serie wieder im bewährten 8-Bit Stil auf den Markt zu bringen. Das Spiel ist ab sofort als Download, bei den Plattformen der aktuellen Konsolen Generation erhältlich (Xbox Live, PlayStation Network Store und Wii Ware).

Bereits Mega Man 9 (ebenfalls für alle drei Download Plattformen) sorgte 2008 bei Retro Fans für wahre Freudensprünge. Ganz bewusst wurde bereits bei diesem Teil auf hochauflösende Grafik und Orchestralsound verzichtet.


Im jetzt erschienenen zehnten Teil müssen Mega Man und sein Kumpel Proto Man erneut die Welt vor Dr. Wilys durchgedrehten Robotern retten. Die Story wird wie immer in einem liebevoll gemachtem Anime Intro, inklusive der obligatorischen Standbilder (nix Videos!), erzählt. Schon das Intro zeigt deutlich, daß sich zum Vorgänger glücklicherweise fast nichts verändert hat. Der Look orientiert sich deutlich an den erfolgreichen NES Vorgängern.

Die Spielgrafik kommt (wie zu besten 8-Bit Tagen) schön pixelig daher und sogar das Bildschirmformat in 4:3 schmeichelt dem puristischen Auge. Der Sound ist wie gewohnt herrlich retro und piepsig, auch wenn es die Melodien nicht ganz mit dem Ohrwurm Charakter des direkten Vorgängers aufnehmen können.

Beim ersten Anspielen fiel sofort der gewohnt abartig hohe Schwierigkeitsgrad auf. Schon auf der Stufe „Normal“, ist das Spiel bockschwer und Otto Normalzocker dürfte in den meisten Leveln wohl nicht mal den Endgegner zu Gesicht bekommen. Fairerweise wurde jedoch erstmalig ein „Easy- Mode“ eingebaut, der auch Nicht Profis das eine oder andere Erfolgserlebnis gönnt. Außerdem lässt euch das Spiel erneut die Wahl, in welcher Reihenfolge ihr die acht Spielabschnitte bestreiten möchtet. So bekommt man zumindest alle Level mal zu Gesicht.


Ebenfalls auswählen dürft Ihr, mit welchem Spielcharakter ihr ins Gefecht ziehen wollt. Zur Auswahl stehen Mega Man (welch Überraschung), Proto Man oder Bass. Letzter allerdings nur als zusätzlicher Downloadable Content für 2,- EUR Aufpreis. Für weitere 1,50 EUR gibt’s übrigens noch ein zusätzliches „Special Stage“.

Alles in allem wieder mal exzellent angelegte 13,50 EUR. Ein Traum für Retrospieler wäre natürlich eine zusätzlich erhältiche Disketten- oder Modul Variante (samt Verpackung und Booklet) für eine klassische Spielemaschine. Naja, mal abwarten, was der hoffentlich bald folgende elfte Teil zu bieten hat.

Durchgespielt – Half Life für die Dreamcast

Posted in by Jelzinretro, Retrogames, Retrokonsolen, Test on 17. September 2009 by Retrozocker

Wenn man sich bei Dreamcast-Anhängern nach den größten Enttäuschungen in der Dreamcast-Geschichte erkundigt, bekommt nicht selten die nie erschienene Umsetzung des PC Spiels “Half Life“ genannt (natürlich neben der viel zu kurzen Lebensdauer der Konsole). Der Grund für diesen skandalösen Umstand war aber nicht, daß es sich bei Half Life um ein qualitativ schlechtes Spiel gehandelt hätte. Bekanntermassen war genau das Gegenteil der Fall. Half Life bot dermaßen viele Innovationen und Spielspaß, daß dieser Titel auf dem PC auf Anhieb zur neuen Referenz im Ego Shooter Genre avoncierte.

Einer der Hauptgründe hierfür waren vielmehr „wechselnde Marktbedingungen“. Dies liessen zumindest die damaligen Entwickler von Valve Software verlauten. Gemeint war damit wohl die verhältnismäßig schwache Verbreitung von Segas 128 Bit Konsole. Nach Segas wenig später folgenden Ankündigung, sich zukünftig komplett aus dem Hardwaregeschäft zurückzuziehen, war es um eine adäquate Umsetzung der PC Ballerei (sowie die Umsetzung aller halbfertigen Titel, der anderen Hersteller) endgültig geschehen. Umso trauriger war die Tatsache, dass die Dreamcast Umsetzung von Half Life im Jahre 2001 eigentlich so gut wie fertig war und bereits als Preview- Version an diverse Fachzeitschriften verschickt wurde.

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Ihr könnt euch nun vielleicht vorstellen, daß mir beim Durchlesen der aktuellen M!Games (Ausgabe 09/09) buchstäblich der Draht aus der Mütze gesprungen ist, als ich in einem Interview eine beiläufige Aussage von Doug Lombardi (seines Zeichens PR-Vizepräsident von Valve Software) entdeckte, in der er alle Sega Fans dazu ermutigt, sich die mittlerweile im Internet veröffentlichte Half Life Version für die Dreamcast mehr oder weniger legal herunterzuladen. Jetzt also, nach sage und schreibe 8 Jahren Verspätung, dürfen wir endlich loslegen!

Zu den bereits angesprochenen Innovationen zählte zweifelsfrei, die wendungsreiche Story, welche bei Half Life seinerzeit (besonders was das Genre der First Person Shooter angeht) wirklich als genial bezeichnet werden kann. Das besondere daran ist, daß man sich von Anfang an voll in die Handlung hineingezogen fühlt. Dafür sorgen unter anderem die gescripteten Story-Sequenzen. Kleine Kostprobe gefällig? Anfangs begleitet ihr euren Protagonisten (Gordon Freeman) auf seinem täglichen Weg zu seinem Job in einem wissenschaftlichen Labor. Ihr werdet von euren geschwätzigen Kollegen im Hausgang begrüßt und der Sicherheitsmann berichtet euch aufgeregt vom Computercrash am Morgen. Zu diesem Zeitpunkt fühlt sich der Spieler, als wäre er mittendrin statt nur dabei. Der dichten Atmosphäre kann man sich wirklich nur schwer entziehen. Aber zurück zur eigentlichen Story. Nach einem fehlgeschlagenen Experiment ereignet sich plötzlich ein folgenschwerer Unfall, woraufhin sich im gesamten Forschungszentrum Tore zu einer Parallelwelt öffnen (CERN lässt grüssen). Aber damit nicht genug. Aus diesen geheimnisvollen Portalen dringt eine Horde todbringender Aliens ein und innerhalb kürzester Zeit sind die meisten Mitarbeiter mutiert oder tot. Jetzt heißt es für Gordon möglichst lebend aus dem Laborkomplex zu entkommen und schnellstens Hilfe zu holen.

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Neue Egoshooter Dimension

Dass dies nicht einfach wird, ist klar. Dies liegt aber nicht nur an den fiesen Aliens, die euch nach dem Leben trachten, sondern auch an vielen kleinen oder größeren Überraschungen, die die Entwickler in das Spiel gepackt haben. Es gilt Unmengen an Rätseln zu lösen oder haarige Sprungeinlagen zu meistern. Interessant ist auch, daß Ihr computergesteuerte NPCs zur Seite gestellt bekommt, die euch zum Beispiel dabei helfen, speziell gesicherte Bereiche zu betreten. Manchmal geben euch die Kollegen auch mal Feuerschutz, wenn es zu brenzlig wird. Bei der ganzen Ballerei kommt die Story aber glücklicherweise nie zu kurz. Wieso versucht euch das Militär auszuschalten, anstatt euch zu helfen oder wer ist der geheimnisvolle Mann mit dem Aktenkoffer, der während des Spiels immer wieder kurz auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet? Mich hat das Spiel komplett in seinen Bann gezogen. Ständig ertappt man sich dabei, wie man einfach nur weiter spielt, um zu sehen, wie die Story weiter geht.

Eine ebenfalls interessante Neuerung des Spiels ist der Spezial-Anzug, welcher Gordon einen gewissen Schutz bietet. Erst wenn Ihr allzu häufig von Gegnern attackiert werdet, oder aus großer Höhe abstürzt, leert sich die Energieanzeige eures Anzugs und ihr erleidet ernsthaften Schaden. Hin und wieder finden sich im Spiel aber glücklicherweise Energiezellen, mit denen Ihr euren Anzug wieder aufladen könnt.

Technisch auf Augenhöhe mit den Besten

Nicht nur vom Gameplay her macht die Dreamcast Version des Spiels einen hervorragenden Eindruck, natürlich bewegt sich auch die Grafik auf hohem Niveau. Dafür verantwortlich ist vor allem die stark modifiziert Quake II Engine, die sowohl bei der ursprünglichen PC Version, als auch auf der Dreamcast für Begeisterung sorgt, auch wenn die Grafikpracht mit damaligen Konkurrenten wie Unreal oder Turok II nicht ganz mithalten konnte. Aber darüber kann man locker hinweg sehen, denn das Spiel sieht ansonsten keinen Deut schlechter aus, als die 3 Jahre ältere PC Version. Besonders wenn ihr die Dreamcast über ein VGA-Kabel an einen PC Monitor angeschliesst. Wirklich klasse, dass der VGA-Modus hier im Gegensatz zu vielen offiziell erschienen Dreamcast Spielen, unterstützt wird.

Der Schwierigkeitsgrad läßt sich in drei Stufen einstellen. Aber egal welchen Schwierigkeitsgrad Ihr wählt, was immer gleich bleibt, ist die für damalige Zeit hervorragende KI der Gegner. Die meisten eurer Widersacher rennen nicht wie in vielen aktuellen Spielen blind auf euch zu, sondern greifen zumeist aus einem Hinterhalt an und ziehen sich danach oft wieder in ein Versteck zurück, um euch daraufhin erneut anzugreifen.

Ein interessantes Feature (vor allem für PC Spieler) ist übrigens die optionale Steuerungsvariante via Maus und Tastatur (wie übrigens bei fast allen Dreamcast Ego Shootern). Da fragt man sich wirklich, warum das eigentlich nicht auch bei aktuellen PS3 oder Xbox 360 Titeln möglich ist. Die Dreamcast war ihrer Zeit wirklich weit voraus.

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Kritikpunkte

Kommen wir noch kurz zu den Kritikpunkten. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, daß es sich bei HL für die Dreamcast nur um ein „fast“ fertiges Spiel handelt. Etwas mehr Entwicklungszeit hätte dem Spiel demnach sicherlich noch zur Perfektion verhelfen können. Als erstes wird einem mit Sicherheit das häufige Nachladen während des Spiels auffallen. Die Ladezeiten sind zwar relativ kurz, dafür sind sie aber umso häufiger und stören den Spielfluss doch gewaltig  (liegt natürlich auch am relativen kleinen Arbeitsspeicher der Dreamcast). Leider gibt es von Zeit zu Zeit auch Einbrüche in der Framerate, was sich bei viel Action auf dem Screen, in unschönen Rucklern bemerkbar macht. Wie bereits erwähnt habe ich mich zwar zunächst sehr über die Maus- und Tastaturunterstützung gefreut, aber leider lässt sich die Maussteuerung nicht umkehren. Ich fand dieses fehlende Feature persönlich sehr bedauerlich.

Umsetzungen, Nachfolger, Spin-Offs

Aufgrund der unglaublichen Popularität von Half Life folgten diverse Spin-offs für den PC (Opposing Force – 1999, Team Fortress Classic – 1999, Counter Strike – 1999, Blue Shift – 2001 und Counter Strike: Condition Zero – 2004). Besonders interessant dürfte hier wohl Counter Strike sein. Ich werde auf diesen Klassiker an dieser Stelle zwar nicht näher eingehen, aber ich empfehle euch in diesem Zusammenhang einen Artikel bei Spiegel-Online. Wirklich sehr lesenswert!

Ebenfalls interessant ist das Spin-off Half Life – Blue Shift, welches nun ebenfalls auf der Dreamcast gespielt werden darf. In der Rolle des Sicherheitsmannes Cahun versucht ihr aus dem Black Mesa Komplex zu fliehen. Da ich das Game leider (noch) nicht ausreichen anspielen konnte, kann ich hierzu nur aus anderen Quellen zitieren, die dieses Erweiterungsset als nicht besonders gelungen bezeichnen. Blue Shift ist eine solide Erweiterung, aber leider ohne große nennenswerte Verbesserungen. Hier und da gibt es ein paar neue Gegner, oder neue Waffen, aber ansonsten viel Bewährtes. Die Spieldauer ist mit 2-3 Stunden zudem viel zu kurz geraten. Diese Erweiterung ist übrigens auch der einzig nennenswerte Unterschied zur PS2 Umsetzung von HL. Während nämlich Dreamcast-Besitzer exklusiv mit der Blue Shift Erweiterung bedacht wurden, bekamen PS2-Besitzer eine Erweiterung namens Half Life – Decay spendiert. Im Jahr 2004 kam dann schlussendlich der offizielle Nachfolger Half Life 2 (PC) auf den Markt. Um dieses Prequel wurde wegen dem mittlerweile recht hohen Bekanntheitsgrad der HL Reihe ein wesentlich größerer Medien Hype entfacht. Nicht zu unrecht wie sich herausstellen sollte. Denn zusätzlich zu den bekannten Stärken des Vorgängers, kam diesmal eine bisher nie da gewesene Physikengine zum Einsatz, welche zusätzlich völlig neue Möglichkeiten ins Spiel brachte.

Fazit: Der Einfluß von Half Life, speziell auf das Genre der Ego Shooter, ist wohl unumstritten. Fast alle heutigen Genrevertreter greifen auf irgendeine Arte auf die Innovationen zurück, die Half Life seinerzeit einführte. Nennt mich also einen Fanboy oder Nerd, meine Meinung steht fest. Half Life und die Fortsetzung Half Life 2 waren und sind vielleicht die besten Vertreter Ihres Genres. Es kam bisher wirklich nicht oft vor, daß ich einen Shooter dermaßen oft durchgespielt habe und die Frage, ob es sich nun lohnt, im Internet nach der verschollenen Dreamcast Version von HL zu suchen, erübrigt sich wohl von selbst. Wie das genau funktioniert und wo ihr das Spiel findet, will ich hier aber aus Copyright Gründen nicht verraten. Für versierte Zocker dürfte dieses Manko aber eher eine kleine Hürde darstellen. (YT)